Pfeilförmige Straßenschilder, auf dem linken steht Hartz 4, auf dem rechten Job

Qualifikation von Arbeitslosen

NRW-Wohlfahrtsverbände fordern mehr berufliche Qualifizierungen für Langzeitarbeitslose

Je besser qualifiziert Arbeitslose sind, desto leichter finden sie zurück auf den Arbeitsmarkt. Doch wer Hartz IV bezieht, profitiert kaum von beruflichen Weiterbildungsangeboten. Das belegt der aktuelle Arbeitslosenreport der Wohlfahrtsverbände in NRW.

Geringqualifizierte finden nur schwer einen Job


In Nordrhein-Westfalen war im Jahr 2017 mehr als jede/-r fünfte erwerbsfähige Einwohner/-in (22,7 Prozent) ohne Berufsabschluss arbeitslos. Während Fachkräfte in der Regel schnell eine Stelle finden, ist die Situation für Geringqualifizierte fast aussichtslos. Bundesweit steht neun arbeitslos gemeldeten geringqualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern nur ein Stellenangebot gegenüber. „Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt können wir nur mit Aus- und Weiterbildungen erhöhen“, sagt Christian Heine-Göttelmann, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Auch wenn der Fachkräftemangel in NRW derzeit noch berufsspezifisch und regional begrenzt sei, klagten Arbeitgeber auch hier über zunehmende Probleme, Stellen zu besetzen.

Kaum berufliche Aus- und Weiterbildung


Von beruflichen Aus- und Weiterbildungen sind geringqualifizierte Arbeitslose jedoch weitgehend ausgeschlossen, wie der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW belegt. Obwohl rund 70 Prozent der arbeitslosen Hartz IV-Empfänger keine betriebliche oder schulische Ausbildung vorweisen können, werden ihnen eher Bewerbungstrainings und andere aktivierende Maßnahmen angeboten. Nur jede sechszehnte Fördermaßnahme im Hartz IV-System entfiel 2017 auf Maßnahmen zur Berufswahl, Berufsbildung oder beruflichen Weiterbildung. Im System der Arbeitslosenversicherung war es hingegen etwa jede vierte.

Begleitende Unterstützung notwendig


„Diese Zahlen spiegeln Verfehlungen in der Arbeitsmarktpolitik des letzten Jahrzehnts wider“, kritisiert Heine-Göttelmann. „An- und ungelernte Arbeitslose müssen viel mehr Ange-bote zur beruflichen Weiterbildung erhalten, die ihnen idealerweise konkrete Perspektiven auf einen Berufsabschluss eröffnen.“ Dazu seien neue Konzepte nötig, die die Wünsche und Talente von Menschen im verfestigten Hartz IV-Bezug berücksichtigten, etwa handwerkliches Geschick und Kreativität. Gleichzeitig benötigten sie aufgrund von problembelasteten Biografien, fehlenden Schulabschlüssen, wenig Lernerfahrung oder schlechten Deutschkenntnissen begleitende Unterstützung.

Wichtiger Baustein zu Integration und Teilhabe


Die Wohlfahrtsverbände fordern, mehr in die Qualifizierung insbesondere von un- und angelernten Arbeitslosen zu investieren und die Mittel dafür deutlich zu erhöhen. „Genau dort, wo die Not der Menschen und die Potentiale zur Fachkräfteentwicklung besonders groß sind, wird am wenigsten investiert. Das widerstrebt nicht nur jedem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden, sondern auch der Vernunft“, so der Vorsitzende. Für viele Arbeitslose, aber auch für etliche prekär beschäftigte Menschen – darunter viele Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete – könne eine nachholende Berufsausbildung oder abschlussbezogene Weiterbildung ein wichtiger Baustein zu Integration und Teilhabe sein. Mehr anschlussfähige zwei- und dreijährige Ausbildungsgänge, geförderte Um-schulungen, Teilzeitausbildungen sowie Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung bieten sich hierzu als Wege an.

Schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt


Die Wohlfahrtsverbände in NRW nehmen den Arbeitslosenreport auch zum Anlass, auf die schwierige Situation am Ausbildungsmarkt im einwohnerstärksten Bundesland hinzuweisen. Im Ausbildungsjahr 2016/2017 gab es im Schnitt für fünf Bewerber/-innen lediglich vier Ausbildungsplätze. Individuell oder sozial benachteiligte junge Menschen sowie Geflüchtete haben es unter diesen Umständen besonders schwer. Heine-Göttelmann fordert: „Bei den jungen Menschen müssen wir die Trendwende einläuten, damit zu den insgesamt knapp 400.000 arbeitslosen Menschen, die in NRW heute ohne Ausbildung dastehen, morgen nicht weitere hinzukommen.“

Um Qualifikation und Weiterbildung geht es im aktuellen Arbeitslosenreport der nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände.
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